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Bürgerentscheid "Entwicklung Hintere Insel"

Der Stadtrat hat in seiner Sitzung vom 19.07.2022 beschlossen, die Bürgerinnen und Bürger Lindaus am 18. September 2022 in Form eines Bürgerentscheids über die Entwicklung der Hinteren Insel abstimmen zu lassen.

Über folgende Frage kann mit Ja oder Nein entschieden werden:

„Sind Sie dafür, dass der neu geschaffene Bürgerpark auf der Hinteren Insel unangetastet bleibt und lediglich der aktuelle Parkplatz entsprechend der Altstadt (in Höhe und Kubatur) bebaut wird?“

Die Begründung lautet wie folgt:

„In den vergangenen Jahren wurde die Hintere Insel nach einer Bürgerbeteiligung für die Gartenschau entwickelt. Hierbei entstanden Wiese, Uferstufen und Sportanlagen, wie ein Skatepark, ein Beachvolleyballfeld, ein Kletterblock und ein Bewegungsparcour. Diese Skateanlage wird nun auf den bisherigen Parkplatzflächen erweitert. All diese Einrichtungen bleiben langfristig erhalten.

Ausschließlich auf den verbleibenden Parkplatzflächen bietet sich nun die Chance, deutlich abgerückt vom Seeufer Wohnraum für Familien und sämtliche Generationen zu schaffen.

Diese nun reduzierte Bebauung mit 4 Wohnblöcken beziehungsweise Baufeldern soll ausschließlich im Bereich des aktuellen Parkplatzes entstehen.“

Durch das nun beschlossene Ratsbegehren möchte der Stadtrat die Möglichkeit geben, die Bürgerschaft erneut zu beteiligen und über die jahrelangen Planungen abstimmen zu lassen. In den nächsten Wochen wird weiteres Informationsmaterial seitens der Stadtverwaltung herausgegeben, damit die Bürgerinnen und Bürger sich ein Bild von der bisherigen Entwicklung und künftigen Planungen machen können. Auf der nachfolgenden Seite sind bereits Informationen zu finden, die bis zum Bürgerentscheid laufend ergänzt werden. Hier werden auch Termine zu Informationsveranstaltungen bekannt gegeben.

Nachstehend finden Sie unseren Faktencheck!

1. Wieso soll überhaupt auf der Hinteren Insel gebaut werden?

Die Insel braucht mehr ganzjährige Einwohner. Sie ist unser Stadtzentrum und leidet seit Jahrzehnten an massivem Einwohnerschwund. Die Folgen sind eine zu starke touristische Prägung in der Saison und leere Gassen sowie geschlossene Geschäfte und Restaurants im Herbst und Winter. Es braucht mehr Menschen auf der Insel, die das ganze Jahr über ihre alltäglichen Bedürfnisse, wie die Nutzung von KITAs oder Schulen, Einkaufen, Dienstleistungen oder Ausgehen auf der Insel erledigen können. Und zwar zu Fuß oder mit dem Rad! Denn die Insel hat dafür die ideale Größe, sie ist ein Stadtteil der kurzen Wege. Viele Städte, auch Weltmetropolen wie Paris, nehmen sich diese Idee der kurzen Wege als Grundlage und versuchen nun, ihre Städte so weiterzuentwickeln, dass die alten Stadtquartiere wieder aufleben  und ihre Bewohner in einem fußläufigen Umkreis von rund 15 Minuten alle alltäglichen Erledigungen zu Fuß verrichten können. Die Lindauer Insel hat diese strukturellen Voraussetzungen noch, das einzige, das fehlt sind genügend Bewohner. Mehr Bewohner sind auch die einzige Möglichkeit, die Insel das ganze Jahr über zu beleben und das im Sommer stark touristisch ausgeprägte Stadtbild zu korrigieren. Dazu soll lediglich ein Teil der Hinteren Insel mit Wohnungen bebaut werden.

Daher muss mit dem Blickwinkel der Insel klar gesagt werden: Es gibt dort keine anderen Bauflächen, um die Insel in ihrer Funktion als Stadtzentrum nachhaltig zu sichern.

2. Stimmt es, dass die ganze Hintere Insel bebaut werden soll? Ist der neu geschaffene Bürgerpark betroffen?

Nein. Die Planungen und Beschlüsse sehen lediglich eine Bebauung des Parkplatzes und zwar von vier der sechs Baufelder der städtischen Flächen, also im nördlichen Teilbereich, vor. Der jetzt schon vorhandene Bürgerpark bleibt völlig unangetastet und ist dauerhaft geschützt.

Grundlage des Konzeptes zur Hinteren Insel war, dass die Grünflächen bereits vor der Bebauung hergestellt werden. Im Oktober 2021 wurde dann beschlossen, dass sich der neue Skatepark auf der Hinteren Insel vergrößern darf. Er kann sich nach Süden, auf die Flächen der beiden nördlichen Baufelder, ausdehnen und seine Fläche so mehr als verdoppeln und hier vertraglich gesichert mindestens für die nächsten 20 Jahre bestehen. Insgesamt wird das Verhältnis zwischen Freiflächen und mit bebauten Flächen (Baufelder) bei rund 62 % Freiflächen und 38 % bebauter Flächen liegen.

3. Sollen, wie von einigen behauptet, 900 Wohnungen auf der Hinteren Insel entstehen?

Die Anzahl der Wohnungen steht noch nicht fest. Richtig ist, dass der Rahmenplan für die städtischen Flächen eine maximal mögliche Wohnungsanzahl von 457 Wohneinheiten ermittelt hat, wenn durchgehend Wohnungen mit 80 Quadratmeter Fläche gebaut würden. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 lag die durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland bei 92 Quadratmetern. Die Angabe vieler kleiner Wohnungen im Rahmenplan diente der Überprüfung, ob die Infrastruktur, also Straßen, Wege und Grünflächen, die neuen Bewohner auch bewältigen können.

Es ist aber gar nicht gewollt, dass auf der Hinteren Insel viele kleine Wohnungen entstehen. Wichtigste Zielgruppe sind vor allem Familien, die einen höheren Wohnflächenbedarf haben. Daher wird die durchschnittliche Wohnungsgröße deutlich ansteigen und dabei im Gegenzug die Anzahl der Wohnungen sinken. Die Wohnungsanzahl auf den städtischen Flächen auf der Hinteren Insel dürfte dann vermutlich bei 300 bis 350 Wohneinheiten liegen.

4. Führen die neuen Wohnungen nicht zu zusätzlichem Verkehr und zu einem neuen Parkplatzbedarf auf der Insel?

Im Rahmenplan wurde überprüft, ob das Straßennetz den zu erwartenden PKW-Verkehr aufnehmen kann. Das ist möglich, da auf der Hinteren Insel ausreichend Tiefgaragenstellplätze erstellt werden. Zwar seht die Anzahl der Wohnungen noch nicht fest, in den Tiefgaragen im Bereich der städtischen Flächen können aber circa 440 Stellplätze angeboten werden. Das bedeutet, dass bei der zu erwartenden Anzahl von ungefähr 300 bis 350 Wohnungen ausreichend Parkplätze vorhanden sind und so störender Park-Such-Verkehr vermieden werden kann. Der durch die neuen Bewohner der Hinteren Insel entstehende Verkehr nicht mit dem touristischen Verkehr zu vergleichen, da die Fahrbewegungen ohne Umwege zwischen Start und Ziel erfolgen und der lästige Park-Such-Verkehr entfällt.

Viel wichtiger ist, dass die geplanten Quartiere in direkter Verknüpfung zur Altstadt stehen und durch die zusätzlichen Bewohner eine erheblich bessere Auslastung der bestehenden Infrastrukturen erfolgen kann. Das bedeutet eine höhere Nachfrage nach ÖPNV-Angeboten, Angeboten der Nahversorgung und Dienstleistungen, wie Ärzten oder Schulen. Die Insel ist eine Stadt der kurzen Wege und strukturell und funktional so ausgebildet, dass all diese täglichen Erledigungen zu Fuß oder mit dem Rad erfolgen können. So kann das Auto meistens stehen bleiben.

5. Was soll dort für Wohnraum entstehen? Werden auch geförderte Wohnungen gebaut?

Auf der Hinteren Insel soll Wohnraum für alle entstehen. Es können dort Wohnungen von Wohnungsgesellschaften, Baugruppen, genossenschaftlichem Wohnen oder gefördertem Wohnungsbau Platz finden. Das Spektrum kann von Town-Houses, klassischen Familienwohnungen, Seniorenwohnungen, Wohngemeinschaften bis hin zu Cluster-Wohnungen reichen. Da es sich um städtische Flächen handelt, ist vieles möglich, und es kann und soll so eine Vielfalt von Wohnungsformen für eine Vielzahl von Bewohnern unterschiedlichster Einkommensgruppen entstehen. Nur eines soll nicht passieren: Die städtischen Bauflächen dürfen nicht spekulativ auf dem freien Markt verkauft werden.

Grundsätzlich fordert die Stadt bei größeren Wohngebieten ab einer Größe von 1.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche für Wohnen, die über das bereits zulässige Maß hinzukommt, einen Anteil von gefördertem Wohnungsbau von 30 Prozent. Das bedeutet, auch in diesen Quartieren werden 30 Prozent geförderte Wohnungen entstehen. Dies ist auch gewollt und sinnvoll denn es gibt keine anderen Bauflächen auf der Insel, weder für geförderten noch freifinanzierten Wohnungsbau, die annähernd geeignet sind, die Insel in ihrer Funktion als Stadtzentrum zu sichern.

6. Entstehen auf der Hinteren Insel „große Baublöcke“?

Der Begriff Baublöcke ist irreführend sein und drückt auf den ersten Blick nicht aus, was geplant ist. Die Hintere Insel soll in Blockrandbebauung errichtet werden. Blockrandbebauung bedeutet nur, dass Gebäude an zwei Seiten aneinander stehen. Diese Gebäude stehen dabei auch mit ihrer Vorderseite unmittelbar an der Grenze zum öffentlichen Raum, so dass der klassische städtische Charakter entsteht, der historische Städte auszeichnet.

Sobald die Bebauung dann im Bereich von Kreuzungen „ums Eck geht“ entsteht ein Baublock. Das Wort Block steht hier nicht für monotone Bauträgerarchitektur, sondern für das Quarreé, das sich durch diese städtebauliche Anordnung ergibt. Sie ist ein wesentliches Merkmal des europäischen Städtebaus. Die ganze Lindauer Altstadt, wie auch die Altstädte der meisten europäischen Städte, ist in Blockrandbebauung errichtet.

Allerdings sind auf der bereits bebauten Insel die Innenhöfe auch meist dicht bebaut, was bei der Hinteren Insel nicht vorgesehen ist. Es soll vielmehr eine Abfolge aus öffentlichen Räumen, wie Straßen, Plätzen und Wegen, halböffentlichen Räumen, also den begrünten Innenhöfen und privaten Freiflächen wie Loggien und Balkonen oder Dachterrassen geben, und so die altstadttypische Vielfalt in hoher Qualität fortgeführt werden. Die Größe der einzelnen Baufelder und der Baukörper (Länge, Höhe und Breite) orientiert sich dabei an der Größe derer der Altstadt.