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Jugendeinrichtungen

Konzept der offenen Jugendarbeit der Stadt Lindau (B)

 

Die Jugendarbeit soll künftig als Aufgabe in direkter städtischer Verantwortung begriffen werden und nicht mehr an einen freien Träger vergeben werden. Zur Erfüllung der zentralen Aufgaben nach dieser Neukonzeption soll ein Team für die Jugendarbeit geschaffen werden, das Personal- und Fachkontinuität gewährleisten, sich kollegial unterstützen sowie auch dezentral für die Jugendlichen und die Akteure präsent und vernetzt sein kann.

1.   Einstellung von städtischen Personal

 Wir sehen den Bedarf und schlagen deshalb vor: die Schaffung von drei Fachkraftstellen für die Jugendarbeit – 2 SozialpädagogIn oder vergleichbar und 1 ErzieherIn. Das Team soll aus mindestens drei Personen bestehen, um eine Vielfalt an Kompetenzen zu gewährleisten und um Krankheits- und Urlaubstage auffangen zu können.

  • Einen Gesamt-Stellenumfang von 3 X 80 Stellenprozenten (oder adäquat)
  • Einen Budgetbedarf Personal von 150 T€ p.A.
  • Zusätzlich sehen wir eine sinnvolle Möglichkeit das Team regelmäßig zu erweitern durch das regelmäßige Integrieren von Studierenden in den Fachsemestern (Sozialpädagogik/Sozialarbeit) und/oder PraktikantInnen (Opti-Prax, o.ä.)

2.   Arbeitsplätze werden eingerichtet und ein Sachkostenbudget zur Verfügung gestellt

Die JugendarbeiterInnen sollen gemeinsame Büroflächen als zentralen Anlaufpunkt haben, wo sie erreichbar sind sowie die technischen Voraussetzungen vorfinden, um die fünf Aufgabenfelder (s.o.) zu organisieren und koordinieren können. Von dort sollen sie Vernetzung, Information sowie Partizipation organisieren, Angebote unterstützen und koordinieren und dezentrale Orte und Räume in den Stadtteilen aufsuchen und deren Selbstorganisation anleiten und moderierend begleiten und für die Jugendlichen mit ihren Anliegen als Ansprechpartner auffindbar sein.

  • Wir sehen Bedarf an angemessenen und zentral erreichbaren Räumen für das Team mit 2-3 Arbeitsplätzen angebunden an einen der Jungendräume (z.B. xtra) sowie wie die Schaffung einer technischen Umgebung, die die selbstverant-wortliche und dynamische Erfüllung dieser Aufgaben ermöglicht
  • Einen Budgetbedarf Technik und Sachkosten rechnen wir mit 12 T€ p.A.
  • Kosten für Raumunterhalt, Raumnebenkosten, die grundständige Raumpflege sowie und eine Grundausstattung mit notwenigem Inventar sind gesondert im städt. Haushalt einzuplanen

3.   Bildung einer Vernetzungsplattform für Akteure und Fachkräfte der Jugendarbeit

Der für den Prozess gebildete Fachkreis soll das Vorbild für eine kontinuierliche begleitete und moderierte wirkungsvolle Vernetzungsplattform für Akteure und Fachkräfte der Jugendarbeit in Lindau sein, die das Gesamtangebot mit den Fachkräften weiterentwickelt und dabei auch selber aktiv werden kann.

  • Dieser „Fachkreis Jugendarbeit“ soll das bisherige vorrangig politisch besetzte Fachgremium ablösen.
  • Die Besetzung des Fachkreises soll der dynamischen Entwicklung im Aufgabenfeld Rechnung tragen. In jedem Fall soll ein möglichst breites Spektrum an Fach-Perspektiven abgebildet sein. Jugendliche sind in jedem Fall als feste Teilnehmergruppe des Gremiums zu integrieren.
  • Wir empfehlen bei der Besetzung darauf Wert zu legen, dass in Jugendthemen aktuell aktive und engagierte Menschen das Gremium bilden und keine „Vertreterrollen“ besetzt werden. Deswegen werden mind. zwei Beauftragte des Stadtrates (Familien- und Jugendbeauftragte und usw.) Mitglied sein.
  • Der Fachkreis Jugendarbeit soll regelmäßig, mindestens aber zwei Mal pro Jahr zusammenfinden.

 

Eine kleine Planungsgruppen aus den Fachkräften der Jugendarbeit gemeinsam mit der/dem Jugendbeauftragte/n und Familienbeauftrage/n der Stadt, sowie ein bis zwei Verwaltungsmitarbeitenden soll die Treffen planerisch vorbereiten und einladen.

Neben der Vernetzung soll es darum gehen, die Jugendwerft vorzubereiten, bzw. auszuwerten, Aktivitäten zu entwickeln, Kommunikation abzustimmen und gemeinsam auf besondere Bedarfe und Entwicklungen reagieren zu können.

 · Budget für Raummieten und Sachaufwand von rund 2-3 T€ p.A.

 4.   Organisation von Jugendbeteiligung

Jährliche, niederschwellige Jugendbeteiligungsprozesse, die alle Jugendlichen ansprechen. „Jugendforen/Jugendwerften“ sind als Kernstück der bedarfsorientierten Jugendarbeit zu organisieren, damit die sich dynamisch entwickelnden Bedarfe zeitnah aufgegriffen, Jugendprojekte immer wieder neu unterstützt und realisiert werden und eine Kultur der Beteiligung und aktiven Mitverantwortung unter den Jugendlichen wachsen kann.

  • Neben einer regelmäßigen Erhebung der Bedarfe geht es um die Förderung von Eigeninitiative und Mitverantwortung. Eine Anbindung der jeweils aktiven Jugendlichen an den Fachkreis und projektorientiert an den Prozess des Jugendbudgets (siehe 5.) ist das Ziel.
  • Zusätzliche Kosten entstehen hier für Raummieten, Material sowie ergänzende Kommunikations-Konzepte in Höhe von rd. 5-8 T€ p.A.

 5.   Bereitstellung und Koordination eines Jugendbudgets

Um Mitsprache und Beteiligung effektiv zu fördern und Initiativen und Mitverantwortung zu stärken, soll die Schaffung einer jährlichen Rücklage aus dem Gesamtbudget der Jugendarbeit als „Jugendhaushalt“ vorgesehen werden.

Gekoppelt an einen transparenten und öffentlich und medial begleiteten Prozess empfehlen wir die jährliche Auslotung von Projekt- und Stadtentwicklungsthemen der Jugendlichen in folgenden Schritten:

  • Öffentliche Bedarf- und Projektsammlung aus dem Fachkreis und unter den Jugendlichen im Rahmen einer jährlichen Jugendwerft: Ideensammlung
  • Begleitete Projektkonzeption und Bewerbung um Projektmittel aus dem Jugendhaushalt, u.a. im Rahmen der Projektschmiede
  • Vorauswahl entlang eines im Fachkreis zu entwickelnden Kriterienkatalogs (bspw. nichtkommerziell, von Gemeinnutzen für viele, innovativ, etc.)
  • Öffentliche Entscheidung über die Mittelvergabe im interdisziplinären Fachkreis. Als Rücklage für den „Jugendhaushalt“ für Lindau sehen wir 20 T€ p.A.

6.   Entstehung und Schaffung von Räumen für Jugendliche in allen Stadtteilen

 

Nichtkommerzielle Orte und Räume ohne Konsumzwang sollen Jugendliche in allen Stadtteilen finden und aktiv in ihren Betrieb eingebunden werden.

Über die bislang von der Stadt zur Verfügung gestellten Räume auf der Insel (Xtra) und in Zech (Fresh) und Outdoor-Orte (Skaterbahn, Bikepark) sollte das Orts- und Raumangebot in Zusammenarbeit mit Akteuren, Vereinen und Schulen auf die anderen Stadtteile erweitert werden.

  • Eine Schaffung von zusätzlichem Raumangebot empfehlen wir akut in Reutin, Aeschach sowie in der Erweiterung des Raumangebotes in Zech.
  • Hierbei sind auch vorübergehende und/oder tageszeitliche Leerstände auf eine Um- oder Mehrfachnutzung für die Jugendarbeit zu prüfen.
  • Speziell in Reutin raten wir im Zuge der Umgestaltung und Neunutzung der Mittelschule zur konzeptionellen Berücksichtigung der Bedürfnisse für die Jugendarbeit an diesem zentralen Standort.
  • Eine Kooperation mit Akteuren und Vereinen ist zu prüfen und zu eruieren, was diese für die Öffnung Ihres Orts- bzw. Raumangebotes auch für andere Zielgruppen an personeller oder anderer Unterstützung benötigen. Angeboten und möglich ist hier:
    • Aeschach: Mittnutzung der im Bau befindlichen luv-Jugendräume
    • Reutin: Kooperationsveranstaltungen (bsp. U-16 Party) und dafür Raumnutzung in Zusammenarbeit mit Club Vaudeville
    • Zech: Erweiterung des Raumangebotes in Kooperation mit der GWG in Kooperation mit dem fresh-Team
    • Skate- und Bewegungspark in Zusammenarbeit mit Lindau Move. e.V.
    • Bikepark und Kletterangebot in Zusammenarbeit mit der Alpenvereinsjugend
    • Dabei sollen Räume und Orte soweit möglich in fachlich begleiteter Selbstorganisation von Jugendlichen oder Akteuren der Jugendarbeit genutzt werden - unter Berücksichtigung von Rahmenbedingungen, die die Aufsichts-pflicht gewährleisten. Hierbei gilt es subsidiär auch das bereits vorliegende Angebot von Lindauer Akteuren wie Vereinen, Jugendinitiativen oder auch Schulen - hierfür in eine Mitverantwortung zu gehen - aufzugreifen, zu konkretisieren und mit ihnen gemeinsam das Angebot schrittweise auf alle Stadtteile auszuweiten.
      • Räume und Orte, die städtisch finanziert und begleitet werden, sollen grundsätzlich nicht „besetzt“ werden, sondern immer auch verschiedenen Nutzer-Gruppen offen stehen und für unterschiedliche Interessen und Aktivitäten nutzbar sein.
        • Grundsätzlich ist eine Mehrfachnutzung mit anderen Interessengruppen (bspw. Familientreffs, Stadtteiltreffs) anzustreben (O.Te.L.O.-Modell) um Synergie-Effekte zu erzeugen.
        • Diese Prozesse gilt es vom Fachkräfteteam zu moderieren und zu organisieren.
    • Investitionen für die Erschließung, Einrichtung, Renovierung den Betrieb und die Grundpflege von Räume und Orten, die in den Stadtteilen von Jugendlichen oder für Jugendangebote genutzt werden, sollen getrennt vom Budget der Jugendarbeit in den städt. Haushalt  2021 eingestellt werden.

Akut gilt es die Renovierung des Jugendtreff Xtra auf der Insel umgehend voranzutreiben, dass dieser Ort schnellst möglich wieder für unterschiedliche Gruppen nutzbar wird.

  • Alle Räume, die für Jugendarbeit genutzt werden sollen, sind so herzustellen, dass sie sicher, heizbar, sauber und technisch so ausgestattet sind, dass sie für Jugendliche und Jugendaktivitäten nutzbar sind.
    • Zu beachten sind insbesondere technische Grundausstattung, Lärmschutz und (Mit-)Gestaltungsmöglichkeit.
    • Benutzergruppen sind mitverantwortlich in die Pflege und den Erhalt der Räume und Orte einzubeziehen.
    • Die entstehenden Kosten sollen aus dem Sachkostenbudget (2.) getragen werden.

7.   Ferienbetreuungsangebot „Kidstown“

Das Ferienbetreuungsangebot „Kidstown“ sowie andere Programm- und Betreuungs-angebote für Kinder bis unter 12 Jahren sind keine Aufgaben der Jugendarbeit und entsprechend zukünftig personell in einen anderen Verantwortungsbereich und damit auch vom Budget und an einer anderen Kostenstelle im städtischen Haushalt zu verankern (10 T€).