Vom Armenhaus zum Altersheim
Das Seniorenheim Reutin feiert seinen 100. Geburtstag
Das Seniorenheim Reutin wird im Oktober 100 Jahre alt. Was als katholische Pfründe für die Ärmsten der Armen in einem Wohnhaus auf der Lindauer Insel begonnen hat, ist heute zu einer dauerhaften Heimstätte für rund 85 Seniorinnen und Senioren geworden. In den vergangenen elf Jahren hat Klaus Höhne das Seniorenheim geleitet. Anfang des Jahres hat die Schwesternschaft München vom Bayerischen Roten Kreuz e.V. das Seniorenheim Reutin übernommen. Ein Blick auf das letzte Jahrhundert.
Im Oktober feiert das Seniorenheim Reutin seinen 100. Geburtstag. Die Geschichte des Hauses begann allerdings schon viel früher. Laut einer Chronik über das „städtische Altenheim Lindau-Reutin“, begründete der Fotograf Johann Thoma bereits 1873 in seinem Testament eine katholische Pfründe. Dieses „Armenhaus für alte Leute“ sollte nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1898 im gemeinsamen Wohnhaus in der Linggstraße 8 und somit auf der Insel entstehen.
Von der Insel nach Reutin: Neubeginn und kommunale Verantwortung
Erst im Jahr 1926 zogen die Anwohner des Armenhauses von der Insel hinaus nach Lindau Reutin. Der Grund: Der Kaufmann Berthold Glatzel hatte sein Anwesen, ein ehemaliges Kaufhaus, der Stadt Lindau zum Kauf angeboten. Voraussetzung war die Errichtung einer neuen katholischen Pfründe. Am 1. Oktober 1926 fand die feierliche Eröffnung des neuen Altenheims statt. Am 26. Oktober desselben Jahres zogen 12 Männer und 20 Frauen in ihr neues Heim in der Kemptener Straße ein. Bis zum 1. Oktober 1979 leiteten die Schwestern des Ordens „Vincent von Paul" das Haus, ehe sie sich ins Mutterhaus zurückzogen. Im Anschluss daran übernahm die Stadt Lindau das Haus und somit die organisatorische und finanzielle Verantwortung.
Heute leben 85 Seniorinnen und Senioren im Seniorenheim Reutin. „Oberstes Ziel der Stadt ist es, den Pflegestandort in Lindau-Reutin zu erhalten“, betont Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons. Ein Vorhaben, das sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder als besonders herausfordernd darstellte. Der Fachkräftemangel und die Besetzung von Schlüsselpositionen wie Heim- und Pflegedienstleitung waren besonders große Hürden.
Wechsel in wirtschaftlich schwierigen Zeiten
Das weiß auch Klaus Höhne, der vor elf Jahren die Leitung des städtischen Seniorenheims Reutin übernommen hat. Damals befand sich das Seniorenheim Reutin in einer wirtschaftlichen Schieflage. „Mir war klar, dass ich in das operative Geschäft eingreifen muss“, erinnert sich Höhne.
Auf Wunsch von Stadtrat, Finanzausschuss und des damaligen Oberbürgermeisters wurde zunächst eine umfassende Problem-Analyse vorgenommen. Das zahlte sich aus: Bereits innerhalb eines Jahres konnten die Verluste deutlich reduziert werden. Heute steht das Seniorenheim Reutin wirtschaftlich wieder auf gesunden Beinen.
Nach elf Jahren an der Spitze des Seniorenheims hat sich Höhne inzwischen in den Ruhestand verabschiedet. Bei allen Herausforderungen bleiben vor allem positive Erinnerungen: gemeinsame Mitarbeiterfeiern, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Personalrat – und nicht zuletzt die Steuerungsrunden mit Husky Clinton. Stolz ist der ehemalige Leiter insbesondere darauf, das Seniorenheim Reutin wieder auf ein „solides Fundament“ gestellt zu haben. Und natürlich auf seine Mitarbeiter: „Sie haben mich dabei unterstützt und mir vertraut.“
Ein neuer Abschnitt: Übernahme durch die Schwesternschaft München
Mit der Übernahme durch die Schwesternschaft München und Elvira Karg als neuer Einrichtungsleiterin, hat Anfang des Jahres ein neues Kapitel im Seniorenheim Reutin begonnen. Karg selbst ist seit dem 1. Oktober 2025 in Lindau tätig. Der Übergang wurde über mehrere Monate hinweg gemeinsam gestaltet. „Unser kontinuierlicher Austausch hat mir den Einstieg im Haus unheimlich erleichtert, da ich von Herrn Höhnes langjähriger Erfahrung als Einrichtungsleiter sehr gut profitieren konnte“, sagt Karg.
Für die neue Leiterin steht in den ersten Wochen vor allem das Kennenlernen im Mittelpunkt: der Bewohnenden, der Angehörigen und des Teams. „Es gab viele interessante Begegnungen“, berichtet sie. Durch die Offenheit aller Beteiligten habe sie sich schnell willkommen gefühlt.
Für die Zukunft wünscht sich der ehemalige Leiter Höhne, dass die Angebote der vollstationären Pflege und der Kurzzeitpflege langfristig gesichert bleiben – nicht zuletzt mit Blick auf die kommenden Jahrgänge der Babyboomer. Karg formuliert ähnliche Ziele: „Unser Ziel ist es, zufriedene Mitarbeitende zu haben, um unsere Bewohnenden bestmöglich versorgen zu können. Ebenso wichtig ist es, neue Mitarbeitende zu finden, die mit uns den Weg gehen und mit uns als Team wachsen möchten. So können wir uns auch in Zukunft optimal um weitere Menschen kümmern, die bei uns einziehen werden.“
