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25.10.2026

Eichwaldquartier: Vor dem Planen kommt das Mitreden

Stadtrat berät am 28. Oktober über den Auftakt des neuen Beteiligungsprozesses

Wie soll sich das Gelände des künftigen Eichwaldquartiers konkret entwickeln? Am Mittwoch, 28. Oktober, berät der Lindauer Stadtrat über das weitere Vorgehen. Von zentraler Bedeutung ist ein Beteiligungsprozess, in dem Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Verbände ihre Vorstellungen auf Grundlage bestehender Beschlüsse einbringen können, bevor die erste Linie gezeichnet ist. Die Sitzung ist öffentlich.

Die Frage nach der Zukunft des Geländes beschäftigt Lindau schon seit einiger Zeit. Leicht zu beantworten ist sie nicht, denn auf der Fläche kommen viele Interessen zusammen. Nun steht ein neuer Abschnitt bevor: Stimmt der Stadtrat zu, beginnt ein offener Prozess, in dem die Beteiligten gemeinsam die Grundlagen für die künftige Planung erarbeiten. Eine Begleitgruppe, die aus unterschiedlichsten Interessenvertreterinnen und -Vertretern besteht, soll auf Basis der Impulse aus dem breit angelegten Beteiligungsprozess Leitplanken für den städtebaulichen Wettbewerb definieren. Die Sitzung des Stadtrats beginnt um 18 Uhr im großen Saal im Alten Rathaus.

Auf Vorarbeit aufbauen

Ganz bei null beginnt der Prozess allerdings nicht. In einer ersten Phase haben Politik, Verwaltung, Fachleute und Interessengruppen bereits viele Fragen zum Gelände diskutiert. Gutachten wurden erstellt, Meinungsbilder eingeholt, und der Stadtrat hat im November einen einstimmigen Beschluss für einen städtebaulichen Wettbewerb gefasst. Auf diesen Vorarbeiten baut der neue Prozess auf.

Viele Anliegen, eine Fläche

Am Anfang steht keine fertige Planung, sondern eine offene Frage. Auf dem Areal treffen viele berechtigte Anliegen zusammen: Kleingärtnerinnen und Kleingärtner, denen ihre Gärten am Herzen liegen. Vereine, die Platz für Sport und Freizeit brauchen. Menschen, die in Lindau eine Wohnung suchen. Gewerbe und Handel, die Flächen für ihre Entwicklung benötigen. Und der Wunsch, Natur und Lebensräume zu erhalten und miteinander zu verbinden. Hinzu kommen Fragen nach Verkehr, Energie und Klimaschutz, die heute bei jedem neuen Stadtquartier mitgedacht werden müssen.

Keines dieser Anliegen ist weniger berechtigt als ein anderes. Sie miteinander in Einklang zu bringen, ist die eigentliche Aufgabe. Dafür dient ein Prozess, in dem die Interessen offen auf den Tisch kommen, fair abgewogen und – wo immer möglich und sinnvoll – miteinander verbunden werden.

Mitreden, bevor geplant wird

Bevor Architektinnen und Planer im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs Entwürfe zeichnen, sollen die Rahmenbedingungen gemeinsam geklärt werden. Was ist besonders wichtig? Was ist verhandelbar? Wo gibt es Spielräume, wo klare Grenzen? Ein moderiertes Verfahren noch vor den förmlichen Planungsschritten ist nicht selbstverständlich. Es öffnet einen Raum der Möglichkeiten: Ideen, Sorgen und Wünsche können früh eingebracht werden und beeinflussen damit, welche Aufgabe am Ende an die Planer gestellt wird. Ist ein Plan erst einmal gezeichnet, lässt er sich nur noch schwer grundlegend ändern. Deshalb
ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich einzubringen.

Die Begleitgruppe

Im Mittelpunkt steht eine Begleitgruppe. Darin sitzen Vertreterinnen und Vertreter des Stadtrats, der Stadtverwaltung, von Vereinen und Verbänden, aus dem Naturschutz und von den Kleingärten gemeinsam mit dem Vorhabensträger schauer + co an einem Tisch. Ein Beschluss des Stadtrats vorausgesetzt, kann die Gruppe im November erstmals zusammenkommen und bis ins Frühjahr hinein regelmäßig tagen. Moderiert wird sie von der Kommunikationsberatung clavis aus Bregenz, die in Lindau bereits Prozesse in Zech im Zusammenhang mit dem Zechwald-Areal und in Reutin begleitet hat. Das fachliche Verfahren betreut das Büro kohler grohe architekten aus Stuttgart.

Die Begleitgruppe arbeitet in einem geschützten Rahmen. Das soll offene Gespräche ermöglichen, in denen auch schwierige Fragen Platz haben, ohne dass jedes Zwischenergebnis sofort öffentlich bewertet wird. Gemeinsame Spielregeln, auf die sich die Mitglieder zu Beginn verständigen, sorgen für einen fairen Umgang miteinander. Wichtig ist: Die Begleitgruppe entscheidet nicht. Sie sammelt Anliegen, wägt sie ab, sucht nach tragfähigen Lösungen und erarbeitet so eine Grundlage. Die Entscheidung trifft am Ende der
Stadtrat.

Themenabende für alle

Die Begleitgruppe ist nur ein Teil der Beteiligung. Im neuen Jahr ist die breite Öffentlichkeit gefragt. Für Februar sind mehrere Themenabende geplant, unter anderem zu Wohnen, Sport und Freizeit, Gewerbe, Natur und Biotopverbund sowie zu Mobilität, Energie und Klimaschutz. Dort können alle Interessierten Fragen stellen, Hinweise geben und eigene Ideen einbringen. Für die Kleingärtnerinnen und Kleingärtner ist ein eigener Info- und Austauschabend vorgesehen. Die genauen Termine werden rechtzeitig bekanntgegeben. Fachwissen braucht dafür niemand. Gefragt sind Erfahrungen aus dem Alltag: wie man in Lindau wohnt, arbeitet, Sport treibt, gärtnert oder sich in der Natur erholt. Gerade dieser Blick aus der Bürgerschaft ist für eine gute Planung wertvoll, denn er zeigt, was im fertigen Quartier später wirklich zählt. Auch kritische Stimmen und Bedenken sind ausdrücklich erwünscht. Sie helfen, Schwachstellen früh zu erkennen, solange sich noch etwas ändern lässt.

Auf solider Grundlage

Damit die Diskussion auf festem Boden steht, fließen fachliche Grundlagen ein, etwa Gutachten zur Wirtschaftlichkeit sowie Vermessungs- und Katasterdaten. Sie zeigen, was auf dem Gelände möglich ist und wo es Grenzen gibt. Die Ergebnisse sollen verständlich aufbereitet werden, damit alle mit demselben Wissensstand in die Gespräche gehen. Über den Fortgang des Verfahrens wird die Öffentlichkeit regelmäßig informiert.

Wie es danach weitergeht

Die Ergebnisse aus Begleitgruppe und Themenabenden fließen in die Aufgabenstellung für einen städtebaulichen Wettbewerb ein. Über diese Aufgabenstellung entscheidet der Stadtrat. Erst dann sind Planerinnen und Planer gefordert, Entwürfe für das Quartier zu entwickeln. Beteiligung und Wettbewerb sind als zusammenhängender Prozess gedacht.

25.10.2026 

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