Feierliche Eröffnung des Kinderhauses »Schatzkiste«
Zum ersten Mal kann allen Kindern in Lindau ein Kita-Platz angeboten werden
Lautes Lachen und Geplapper tönt durch die hellen Räume des Kinderhaus Schatzkiste in Lindau-Zech. Die Kinder springen zwischen den Tischen hin und her und wechseln aufgeregt die Räume. Nur Claire (6) sitzt fast regungslos auf ihrem Stuhl. Sie hat sich über den Tisch gebeugt. In der linken Hand hält sie einen roten Faden, in der rechten eine Perle. Konzentriert führt sie die Perle in Richtung Faden, lässt vorsichtig los – und seufzt resigniert, als die Perle unter dem Tisch landet. „Die Kleinen sind am schwersten aufzufädeln“, sagt sie. Beim zweiten Anlauf klappt es. Die Perlenkette hoch über dem Kopf schwingend, läuft Claire zu ihrer Mutter, um ihr das Schmuckstück zu präsentieren. Zur Belohnung erhält Claire ein Kompliment von ihrer Mutter – und einen Stempel für ihre Schatzkarte.
Auch alle anderen Kinder haben an diesem Samstag eine solche Karte bekommen. Insgesamt sieben Stationen hat das Team rund um Kinderhausleiterin Nicole Ellinger im ganzen Haus verteilt aufgebaut. Neben dem Basteln von Piratenketten gibt es auch eine Wissensinsel, ein Piratenschiff-Duell, den Piraten-Parcours, die Schatzwerkstatt und die Schlemmerbucht.
Die Kinder werden an diesem besonderen Tag selbst zu Schatzjägerinnen und Schatzjägern – passend zu dem Namen des neuen Kinderhauses, das an jenem Samstag feierlich eröffnet wird: Schatzkiste. Neun Monate nach der ersten Schlüsselübergabe kann die Stadt gemeinsam mit Eltern, Kindern und Mitarbeitenden ein Haus einweihen, das nicht nur architektonisch, sondern auch pädagogisch neue Maßstäbe setzt. Entsprechend groß ist die Freude beim offiziellen Festakt Mitte Oktober.
Ein Haus für sechs Gruppen
Die Schatzkiste vereint die städtischen Kindergärten Villa Engel und Arche Noah. Drei Kindergartengruppen und eine Krippengruppe starteten im Frühjahr – inzwischen ist eine zweite Krippengruppe hinzugekommen. Die sechste Gruppe soll im Frühjahr 2026 folgen.
Wie vielerorts stand auch die „Schatzkiste“ vor personellen Herausforderungen. Dennoch hat sich die Situation positiv entwickelt: Neun neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten in den vergangenen Monaten eingestellt werden. „Wir sind jetzt ein großes Team, das viele Stärken bündelt“, sagt Erzieherin Carla Weinl. Sie ist eine der wenigen, die bereits in allen drei städtischen Kindergärten gearbeitet hat. Besonders freut sie sich über die Nähe zur Leiblach und zum Wald: „Früher mussten wir überlegen, ob wir für Ausflüge einen Bus brauchen. Jetzt sind wir in wenigen Minuten mitten in der Natur.“
Auch für Kinderhausleiterin Nicole Ellinger ist dies ein ganz besonderer Tag: „Die ersten Wochen waren aufregend. Was als Vision begonnen hat, ist Wirklichkeit geworden.“ Im Kinderhaus Schatzkiste werde gelernt, gelebt, gewachsen. Nicole Ellinger betont: „Unser Dank geht an die Stadt, die den Grundstein gelegt hat, besonders an die Abteilung Hochbau. Sie hatten immer ein offenes Ohr für unsere Ideen und Wünsche. Wir haben große Wertschätzung erfahren.“
Mehr Plätze für Kinder als je zuvor
Lindaus Oberbürgermeisterin freut sich ebenfalls über das neue Kinderhaus und über die positive Resonanz. „Immer wieder kommen Eltern auf mich zu und erzählen mir, wie wohl sie und ihre Kinder sich hier fühlen“, sagt Dr. Claudia Alfons. Einen großen Mehrwert sieht sie im geplanten Kinderrestaurant der Schatzkiste. Dort sollen die Kinder bald selbst Hand anlegen und mithelfen können. So viele neue Kolleginnen und Kollegen an Bord zu holen und in den Alltag einzuführen, sei eine beeindruckende Leistung. „Sie haben das mit ihrem Team ganz toll gemacht“, sagt die Oberbürgermeisterin.
Mit dem neuen Kinderhaus Schatzkiste gibt es nun insgesamt 19 Kitas in Lindau. Es ist das erste Jahr, in dem allen Kindern in Lindau ein Kita-Platz angeboten werden konnte. Insgesamt haben die Einrichtungen 269 Krippen- und 987 Kindergartenplätze zu vergeben – mehr als je zuvor. Wegen des aktuellen Baugebiets kommt 2026 mit der Kita im Vierlinden-Quartier noch eine weitere Einrichtung hinzu. Auch AldiSüd plant im Zuge des geplanten Neubaus im Sennhofweg eine weitere Kita zu eröffnen. Dort werden perspektivisch zwei Kindergartengruppen mit 50 Plätzen und zwei Krippengruppen mit 24 Plätzen entstehen.
Ehemalige Bäckerei findet neue Nutzung
In Hoyren gibt es ebenfalls gute Neuigkeiten. Die Stadt hat auf den steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen reagiert und in der ehemaligen Bäckerei Wetzler eine neue Gruppe für die Mittagsbetreuung eröffnet. Die leerstehenden Räumlichkeiten boten ideale Voraussetzungen: „Wir haben schnell gemerkt, dass wir hier eine sehr familiäre und funktionale Umgebung schaffen können“, sagt Beate Zanker, Leiterin der Abteilung Kinder, Jugend, Sport der Stadt Lindau.
Inzwischen wurden die Räume mit einer neuen Küche ausgestattet. Möbel, Elektrik, Wände und Böden wurden ebenfalls komplett erneuert. In einem weiteren Raum gibt es Platz für einen Maltisch und ein Sofa. Aus dem ehemaligen Verkaufsraum wurde ein heller Aufenthaltsraum.
Im September konnte die Betreuung in der Bäckerei starten. Platz bietet die neue Gruppe für 25 Kinder. Wie an den weiteren Betreuungsstandorten – im ehemaligen Lehrerhaus, im Keller des Schulhauses und über der Turnhalle – wird auch hier in zwei Schichten und zwei Gruppen gegessen und betreut. Die Mittagsbetreuung richtet sich ausschließlich an Grundschulkinder.
Blick in die Schatzkiste
Joni (3) und Lenni (8) stehen im Flur des Kinderhaus Schatzkiste und zeigen sich gegenseitig ihre Schatzkarten. „Zwei Aufgaben muss ich noch schaffen, dann kann ich meinen Schatz abholen“ sagt Lenni und strahlt. Wer alle Stationen gemeistert hat, darf einen Blick in die Schatzkiste werfen. Und was könnte darin sein? Claire muss nicht lange überlegen: „Süßigkeiten!“, sagt sie – und lacht.
