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18.02.2022

Klimabeirat: Vier Empfehlungen an Stadtrat

Der Lindauer Klimabeirat hat in seiner ersten Sitzung des Jahres vier Empfehlungen an den Stadtrat verabschiedet. Zudem wird sich der Klimabeirat taktisch besser aufstellen. Und zum Thema lokaler Klimaschutz ist zum dritten eine Webseite „Lindau fürs Klima“ in Arbeit mit vielen konkreten Tipps, die jeder in seinem Alltag umsetzen kann.

Im Zuge des Klimawandels müssen auch im Obstbau neue Strategien entwickelt werden, um negative Auswirkungen auf Ernten zu vermeiden. Schon jetzt leidet der Obstbau unter steigenden Temperaturen, veränderter Niederschlagsverteilung und immer häufigere extreme Wetterereignisse wie Hagel und Starkregen.

Dr. Peter Triloff, Klimabeirat und langjähriger Experte für Obstbau, hielt einen Vortrag über „Agri PV“ in der Landwirtschaft. Agri-Photovoltaik (Agri-PV) bezeichnet ein Verfahren zur gleichzeitigen Nutzung von Flächen für die landwirtschaftliche Pflanzenproduktion (Photosynthese) und die PV-Stromproduktion (Photovoltaik). Triloff zeigte auf, dass die angepriesene Doppelnutzung nicht pauschal auf alle konventionellen landwirtschaftlichen Erzeugnisse angewandt werden kann. Für die hier in der Region dominierende Form des Obstbaus gebe es bislang nicht ausreichend Daten, die Verschattung durch die PV-Anlagen stelle allerdings ein ernstzunehmendes Problem dar. Es bestehe die Gefahr von verzögerter Reifung, minimiertem Ernteertrag und anderes mehr, so Triloff. Gleichzeitig biete es weniger Schutz vor Hagel.

Das Frauenhofer Institut untersucht derzeit, inwiefern die Agri-Photovoltaik diese Schutzfunktion im Apfelanbau übernehmen kann und wie sich das auf die Ernteerträge auswirkt. Ziel des Projekts ist eine gesteigerte Resilienz im Obstbau sowie die doppelte und ressourceneffiziente Nutzung von Land. Einer Landnutzungskonkurrenz zwischen Photovoltaik-Freiflächenanlagen und der Landwirtschaft wolle man so entgegenwirken.

Wesentlich effektiver sei dagegen laut Triloff, Maisflächen zur Biogasproduktion für Photovoltaik zu nutzen. Derzeit gebe es in Deutschland dreimal mehr Flächen mit Mais zur Biogasproduktion als für die Apfelproduktion. Mit entsprechend großen Abständen der Modulreihen würden bei den Maisflächen gute Erträge erzielt. Zudem werde ein größerer Beitrag zur Biodiversität geleistet, was mindestens ebenso wichtig sei, denn „die Biodiversitätskrise ist genauso bedrohlich wie die Klimakrise“, erklärte Triloff.

Taktische Neuaufstellung

Zudem will sich der Klimabeirat taktisch besser aufstellen: Eine Gruppe wird künftig strategisch und konzeptionell arbeiten, während die andere sich um konkrete Klimamaßnahmen kümmert. So hoffen alle Verantwortlichen, dass man in Sachen Klimaschutz insgesamt rascher voranschreiten kann.

Empfehlungen an den Stadtrat

Der Klimabeirat hat ausgehend von der Klimawandelstudie vier Empfehlungen an den Stadtrat verfasst:

1.)   Starkregenkonzept – Laut Klimawandelstudie werden die Starkregenereignisse zunehmen. Das erfordere eine Neuausrichtung bestehender Konzepte.

2.)   Klimabäume und Hitzeinseln: Zusätzlich zu den bestehenden Neupflanzungen empfiehlt der Klimabeirat 20 bis 30 weitere neue Bäume pro Jahr sowie ein Konzept für Hitzeinseln.

3.)   Schwammstadt: Angesichts von heftigeren Starkregenereignissen soll ein Konzept für eine „Schwammstadt“ errichtet werden. Schwammstadt ist ein Konzept der Stadtplanung, bei dem anfallendes Regenwasser in Städten lokal aufgenommen und gespeichert werden kann statt es lediglich zu kanalisieren und abzuleiten. Dadurch sollen Überflutungen bei Starkregenereignissen vermieden, das Stadtklima verbessert und die Gesundheit von Stadtbäumen gefördert werden.

4.)   Umbau des Stadtwaldes als Klimawaldes: Das geht von einer klimagerechten und nachhaltigen Forstwirtschaft über Mischwaldpflanzung bis hin zu klimaresistenteren Baumarten. Viele Bäume befinden sich bereits im „Klimastress“. Heiße und trockene Sommer setzten dem Wald zu, die Böden trocknen aus und die Vitalität wird geschwächt. Das macht die Bäume anfälliger für Schädlinge.

Der Klimabeirat tagt das nächste Mal am 16. Mai 2022.

18.02.2022 

Kontakt

Presse & Kommunikation »
Stefanie Czuday
Bregenzer Straße 6
88131 Lindau (B)

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Dokumente

2021-11-16_Lindau Klimawandelstudie (PDF, 13.5 MB)