Nachhaltige Wärme - Chance für Lindau
Infoveranstaltung zum energetischen Quartierskonzept Insel am 25. September
Der Klimawandel erfordert entschlossenes Handeln – und die gesetzlichen Vorgaben zur Nutzung erneuerbarer Energien stehen fest. Deutschland will bis spätestens 2045 klimaneutral sein, was auch den vollständigen Umstieg auf erneuerbare Wärmequellen einschließt. Lindau hat sich sogar ein ehrgeizigeres Ziel gesetzt: Bereits 2035 will die Stadt klimaneutral sein.
Dafür müssen geeignete Wärmequellen erschlossen, ihr Potenzial präzise bewertet und ihre Wirtschaftlichkeit nachgewiesen werden. Das ist eine komplexe Aufgabe, bei der Investitionskosten, Flächenbedarf und technische Machbarkeit sorgfältig abgewogen werden müssen. Klar ist: Es müssen alle möglichen Wärmequellen untersucht und bewertet werden. Am naheliegendsten ist der Bodensee. Als Wärmespeicher könnte er über Seewasserwärme einen bedeutenden Beitrag zur lokalen Energiewende leisten. Die Frage ist, ob dieser als Wärmequelle auch leistbar herangezogen werden kann. Dies wird aktuell untersucht.
Die Stadt Lindau lässt deswegen für die Insel ein integriertes energetisches Quartierskonzept erarbeiten. Dieses Vorkonzept prüft unter anderem die technische und wirtschaftliche Machbarkeit nachhaltiger Wärmequellen, mögliche Standorte für eine Heizzentrale sowie eine erste Abschätzung der jeweiligen Investitionskosten.
Infoveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger
Am Donnerstag, 25. September, findet um 18 Uhr im Alten Rathaus auf der Lindauer Insel eine Informationsveranstaltung zum Vorkonzept statt. Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, sich über die ersten Ergebnisse des Energiekonzepts zu informieren und Fragen zu stellen. Für eine bessere Planbarkeit bittet die Stadt Lindau um vorherige Anmeldung über das Online-Formular form.stadtlindau.de/formcycle/form/provide/1345/
Ein Blick nach Bregenz
Ein Besuch in Bregenz zeigt: Die Stadtwerke Bregenz nutzen den Bodensee seit 2025 als Seethermiequelle für ein „kaltes“ Nahwärmenetz. Über eine 600 Meter lange Entnahmeleitung aus 40 Metern Tiefe wird Seewasser mit ganzjährig vier bis sechs Grad gefördert. Verteilt wird es zentral mit Hilfe von Wärmetauschern. Über Wärmepumpen wird das Seewasser dann in den angeschlossenen Gebäuden auf Heiztemperatur gebracht. Im Sommer sorgt „Free Cooling“ für effiziente Kühlung.
In Bregenz erfuhr die Lindauer Delegation um Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons: Die Anlage ist auf eine Entnahmekapazität von bis zu 700 Liter pro Sekunde ausgelegt und versorgt zunächst Hallenbad und Festspielhaus. Gerade in der Startphase sind Großabnehmer aber wichtig für die Rentabilität. Später sollen weitere Quartiere hinzukommen. Die Dimensionen sind beachtlich: Die Rohrleitungen sind so groß, dass sich dort ein Erwachsener bequem hineinlegen könnte. Aus der Seeenergie lassen sich rund 11,2 Megawatt Wärmeleistung und 8 Megawatt Kälteleistung gewinnen. Die Anlage erzeugt so viel Wärme, dass sie etwa 1500 durchschnittliche Haushalte in Lindau versorgen könnte. Um die Lindauer Insel vollständig zu versorgen, wären etwa 15 Megawatt Leistung erforderlich.
Dem entgegen stehen die sehr hohen Kosten in Bregenz für die Allgemeininfrastruktur wie Seeleitungen, Energiezentrale und Verteilnetz. Diese liegen bei etwa 15 Millionen Euro. Es wird sich zeigen, ob Seethermie gerade unter den wirtschaftlichen Bedingungen eine realistische Option für die Lindauer Insel sein kann.
Mehr über den aktuellen Stand des energetischen Quartierskonzepts der Lindauer Insel erfahren Bürgerinnen und Bürger auf der städtischen Informationsveranstaltung zum energetischen Quartierskonzept Insel am 25. September.
