Eichwaldquartier: Stadt stellt Strukturkonzepte vor
In der Stadtratssitzung am Mittwoch, 24. September, wurden drei Entwurfs-Varianten für ein Strukturkonzept für das Eichwaldquartier vorgestellt, davon sind zwei wirtschaftlich. Sie sind ein Zwischenergebnis nach einem rund einjährigen Klärungs- und Befriedungsprozess, den die Stadt geführt hat. Ziel ist es, eine möglichst hoch akzeptierte Variante eines Strukturkonzepts zu entwickeln. Im Oktober wird sich der Stadtrat wieder damit befassen.
Es sind drei digitalisierte Handzeichnungen in zweidimensionaler Darstellung, die das Bauamt in der Stadtratssitzung für das Eichwaldquartier vorgestellt hat. Diese sogenannten Strukturkonzepte entsprechen im Grunde gezeichneten Gedanken, erklärt Stadtbaumeister Kay Koschka. „Ein Strukturkonzept zeigt eine erste Idee wie eine Fläche strukturiert werden kann. Dabei werden die Flächen in Nutzungskategorien wie Wohnen, Gewerbe oder Grünflächen eingeteilt.“
Weder Bebauungshöhen noch Dachformen, Dichten, korrekte Maße oder konkrete Breiten der Radwege werden daraus ersichtlich. Das wird erst in späteren Planungsschritten festgelegt. „Ein Strukturkonzept ist der erste Teil eines städtebaulichen Entwurfs und ein Planungsinstrument, das normalerweise gar nicht öffentlich gezeigt wird, weil es sich um ein sehr frühes Planungsstadium handelt. Rechtsverbindlich ist es daher nicht. Aber: In unserem Fall wurde es demokratisch erarbeitet und bietet eine politisch gesicherte Basis für die weiteren Planungsprozesse,“ erklärt Kay Koschka.
Die Varianten im Überblick
Zu sehen ist auf der Variante C des Strukturkonzepts eine abgestufte Dreiteilung. Von West nach Ost reihen sich ein Gewerbegebiet, ein Mischgebiet sowie eine kleinere Wohnfläche aneinander. Hier wird die Gleisharfe zur Hälfte bebaut und zur anderen Hälfte in hochwertige Biotopflächen aufgewertet. Die Haupterschließung erfolgt über die bestehende Thermenzufahrt, ergänzt durch ein dichtes Fuß- und Radwegenetz sowie eine geplante Brücke über die Gleise zur Auenstraße. Die Bebauung konzentriert sich auf die Quartiersränder, während die zentralen Flächen grün und offen bleiben. Neugeschaffene Biotopstrukturen entlang der Bäche und der Bahnlinie rahmen das Quartier ökologisch ein und schaffen naturnahe Übergänge zwischen den Nutzungen. Die zweite Variante G entspricht im Wesentlichen der Variante C – sie nimmt jedoch die gesamte Gleisharfe als Wohnbaufläche auf.
Die nicht wirtschaftliche Variante E hat einen breiten, grünen Gürtel aus Kleingärten und öffentlicher Grünfläche. Er trennt das Wohnband im Süden vom Gewerbe- und Mischgebiet, welches an der Bahnlinie angeordnet wird. Die Erschließung erfolgt auf Basis der bestehenden Erschließung. Der östliche Teil der Gleisharfe verbleibt als Biotopfläche. Diese Variante würde Platz für rund 26.700 Quadratmeter für Kleingärten bieten, während die Varianten C und G je 10.300 Quadratmeter vorsehen.
Wie kam es zur Auswahl der Varianten?
Ausgewählt wurden die drei Varianten in einem ersten Schritt durch die vom Stadtrat beauftragte Steuerungsgruppe. Die Steuerungsgruppe hat festgelegt, dass die Varianten wirtschaftlich umsetzbar sein müssen. Nach einer Wirtschaftlichkeitsprüfung durch das unabhängige Beratungsunternehmen cima Beratung + Management GmbH blieben die Varianten C und G übrig.
Eine wichtige Rolle zur Erfassung der Resonanz spielte die sogenannte Widerstandsmessung. Diese Methode wurde sowohl in der Steuerungsgruppe und in der jüngsten Stadtratssitzung als auch im nicht-öffentlichen Workshop am 23. September durchgeführt. Im Stadtrat wurden die Mitglieder gefragt: „Wie sind die beiden Varianten aus Ihrer Sicht dazu geeignet im Eichwaldquartier zu befrieden und eine friedliche Entwicklung zu ermöglichen?“
Zu einem nicht-öffentlichen Workshop am Vortag der Stadtratssitzung hat die Stadt neben den Stadtratsmitgliedern alle Anwohner, Kleingärtner ebenso wie alle Unternehmen und Gewerbetreibenden, die durch die Entwicklung betroffen sein könnten, eingeladen. Als relevante Stakeholder waren zudem diejenigen geladen, die im Laufe des Prozesses angehört wurden. Dazu zählen der Bund Naturschutz, der Förderverein Eissportarena Lindau e.V., der Deutsche Alpenverein, der Eigentümer der Fläche sowie der städtische Standortförderer. Zudem erläutertet in einem Kurzvortrag Christian Hörmann von der cima, auf welchen Annahmen die Wirtschaftlichkeit beruht.
Ziel des Workshops war es, einen Austausch zwischen allen Beteiligten zu ermöglichen. Dabei wurde den rund hundert Teilnehmenden der aktuelle Stand des Projekts gezeigt und erklärt, auf welche Weise die bislang gesammelten Informationen in die beiden vorgestellten wirtschaftlichen Entwürfe (Variante C und G) eingeflossen sind. Der Abend bot zudem Raum für die Resonanz der Teilnehmenden auf die beiden Varianten – stets begleitet von der zentralen Frage: Wie kann ein gemeinsamer und friedlicher Weg entstehen?
Ergebnisse der Widerstandsmessung
Die Widerstandsmessung während des Workshops zeigte, dass im Vergleich die Variante C den geringeren Widerstand aufweist. Gleichzeitig ist jedoch erkennbar, dass der Widerstand bei beiden Varianten sehr hoch ist. Deutlich wurde, dass sich die Kleingärtnerinnen und Kleingärtner einen breiteren zusammenhängenden Grünstreifen, ähnlich wie in Variante E, wünschen und sich damit mehr verbleibende Flächen für Kleingärten. Zudem muss geklärt werden, wie die künftigen Gartenflächen aufgeteilt und vergeben werden und wer eventuell in andere Kleingartenanlangen ausweichen muss. Hinterfragt wurde auch, ob tatsächlich ein Radweg durch das grüne Band führen soll. Alle Fragen und Bedenken von diesem Abend werden in Kürze auf der städtischen Webseite zum Eichwaldquartier zum Nachlesen veröffentlicht.
„Der Konflikt ist eine Bewährungsprobe für unser Miteinander in der Stadt. Der Workshop hat uns gezeigt, dass die große Mehrheit auch bei emotionalen Themen und großer persönlicher Betroffenheit dialogbereit ist. Herzlichen Dank an alle Kleingärtnerinnen und Kleingärtner, dass Sie sich weiterhin auf dieses neue Dialogformat mit uns einlassen“, sagt Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons.
Beratung des Stadtrats und nächste Schritte
Was bräuchte es, damit ein Strukturkonzept eine höhere Akzeptanz erzielt? Beide Varianten haben insgesamt noch sehr hohe Widerstandwerte. Damit ist aus Sicht der Stadtverwaltung aktuell eine Befriedung noch nicht möglich. In der Stadtratssitzung hat die Variante G den geringsten Widerstand erfahren. In der anschließenden politischen Beratung wurden mögliche Akzeptanzhebel dokumentiert, die bei der Ausarbeitung einer finalen Variante zu Bedenken sind. Schließlich hat der Stadtrat auf Antrag mit 17 zu 12 Stimmen beschlossen, dass das Bauamt, unter Berücksichtigung aller gesammelten Bedenken von Steuerungsgruppe, Workshop und Stadträtinnen und Stadträten, ein finales Strukturkonzept auf Basis der Variante G entwickeln soll. Diese Variante wird dann dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt.
Was bisher geschah
Vor rund einem Jahr hat der Stadtrat den Bau- und Umweltausschuss und eine Steuerungsgruppe mit einem städtischen Befriedungs- und Klärungsprozess zum Eichwaldquartier beauftragt. Die Steuerungsgruppe bestand aus drei politischen Vertretern, einer Vertretung der Kleingärtnerinnen und Kleingärtner, einer Vertretung des Eigentümers, drei Vertretern des Bauamts und einer Vertreterin der städtischen Kommunikationsabteilung.
Ziel des Prozesses war es, alle relevanten Interessengruppen frühzeitig anzuhören und einzubeziehen sowie ein tragfähiges Strukturkonzept zu entwickeln. So sollte gewährleistet werden, dass klare Entwicklungsperspektiven und Handlungssicherheit für alle Beteiligten entstehen. Zunächst wurde Wert gelegt auf die Befriedung und Aufarbeitung der bisherigen Konflikte, unter anderem durch einen moderierten nicht-öffentlichen Austausch zwischen unmittelbar betroffenen Anwohnern, Kleingärtnern und Stakeholdern im März 2025. Im weiteren Verlauf folgten Anhörungen der relevanten Interessensgruppen sowie Gespräche mit Behörden wie der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, besonders hinsichtlich der rechtlichen Aspekte der Wiederaufforstung auf illegal gerodeten Flächen. Außerdem hat das Bauamt eine ausgiebige Bestandserfassung des Geländes erstellt. Ergänzend dazu wurde eine schriftliche Befragung aller Anrainer und Betroffenen durchgeführt, um ein umfassendes Meinungsbild zu gewährleisten.
Auf Basis all dieser Informationen wurden die Entwürfe für das Strukturkonzept entwickelt und im Laufe des Prozesses zu den nun vorliegenden Entwürfen verdichtet. In den Sitzungen des Bau- und Umweltausschusses gab es regelmäßig Sachstandsberichte und die Stadt informierte auf ihrer Webseite, in der Lindauer Bürgerzeitung und auf den Social-Media-Kanälen über den Prozessfortschritt.
Weitere Informationen
Einen ausführlichen Überblick über den Prozess gibt es auf der Projektwebseite. Dort hat die Stadt auch Fragen und Antworten in einem FAQ aufbereitet.
