Strahlende Gesichter bei der Lindauer Kinderbescherung
Wie Marineoffiziere eines Minensuchbootes den Grundstein für eine Lindauer Weihnachtstradition legten
Was heute als städtische Kinderbescherung im Familienzentrum minimaxi e.V. gefeiert wird, hat vor mehr als 60 Jahren mit einer ebenso einfachen wie wirkungsvollen Idee begonnen: Die Mannschaft eines Minensuchbootes sammelte freiwillig Teile ihres Solds, um Lindauer Kindern eine Freude zu machen. Aus dieser Initiative auf See entstand eine Tradition, die Generationen überdauerte – und bis heute Kinderaugen zum Leuchten bringt.
Weihnachtliche Klänge erfüllen das Familienzentrum minimaxi in Lindau Reutin, als Kaspar Zolanwar, Ben-Hien Göbel und Alexander Laaß von der Musikschule mit „Oh du Fröhliche“ die diesjährige Kinderbescherung am Montag, 15. Dezember, eröffnen. Gebannt lauschen 16 Kinder im Alter von 2 bis 15 Jahren der Gitarrenmusik. Neben dem festlich geschmückten Weihnachtsbaum stapeln sich die Geschenke. „Habt ihr eine Idee, für wen die sein könnten?“, fragt Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons in die Runde. Die Antwort folgt prompt: „Für uns“, ruft ein Junge in der ersten Reihe. „Das wisst ihr schon“, zeigt sich Dr. Claudia Alfons verblüfft. „Klar, da stehen Namen drauf“, antwortet ein Mädchen.
Mehr als 60 Jahre alter Brauch
Bereits zum vierten Mal findet die Kinderbescherung der Stadt Lindau im minimaxi statt. Beschenkt werden Kinder von Familien, die ihre Lebenssituation in ganz besonderer Weise meistern. Die Tradition selbst reicht mehr als 60 Jahre zurück. Ihren Ursprung hat sie nicht in der Stadtverwaltung, sondern bei der Besatzung des Minensuchbootes „LINDAU“, das in Wilhelmshaven an der Nordwestküste Deutschlands im Wasser lag und im Jahr 1957 als Patenschiff der Stadt ausgerufen wurde.
Marion Miller von der Abteilung Kinder, Jugend, Sport organisiert die Kinderbescherung seit mittlerweile 40 Jahren, und erzählt: „Die Männer haben das ganze Jahr über die ungeraden Beträge ihres Solds in eine Sammelkasse eingezahlt. Um die 1000 Mark sind so jährlich zusammengekommen“. Von diesem Geld besorgte Marion Miller die Geschenke und bereitete die Bescherung für die Kinder vor. Auch die Offiziere ließen sich dieses Ereignis vor Ort nicht entgehen und reisten nach Lindau – die stimmungsvolle Marinebescherung galt stets als Höhepunkt im Jahresverlauf der Patenschaft.
Als das Minensuchboot „LINDAU“ im Jahr 2000 außer Dienst gestellt wurde, endete zwar die Patenschaft, nicht jedoch der Brauch der Kinderbescherung. Zunächst übernahm die International Police Association Lindau die Finanzierung der Geschenke, später sprangen die Sparkasse Lindau und das Autohaus Dreher ein.
Gemeinsames Engagement für glückliche Kinder
Das Besondere für Marion Miller ist die Tatsache, dass jeder etwas beisteuert, um die Kinder glücklich zu machen. „Ich stecke mein Herzblut in die Organisation, die Sparkasse Schwaben-Bodensee, die Nachbarschaftshilfe und das Autohaus Dreher engagieren sich und unterstützen mit finanziellen Mitteln. Für viele ist das einfach eine Herzensangelegenheit.“
Bevor es aber in diesem Jahr so weit ist, werden im Familienzentrum minimaxi Weihnachtslieder gesungen und die Oberbürgermeisterin liest die Geschichte „Weihnachten der Tiere“ vor. In dieser diskutieren die Tiere, auf was es an Weihnachten wirklich ankommt – auf den Schnee, den Tannenbaum, die Geschenke, oder doch die Stimmung? Nach einigen Diskussionen sind sie sich sicher: Das Kind steht an Weihnachten im Mittelpunkt.
„Auch wir wissen, dass die Kinder an diesem Tag das Wichtigste sind“, sagt Dr. Claudia Alfons. Und diese dürfen sich nun über die Bescherung freuen: Von kleinen Dingen wie Buntstifte und Malbücher bis hin zu Ravensburger Spielen und LEGO sowie Schuh-Gutscheinen von der Nachbarschaftshilfe.
