Werkausschuss berät über notwendige Baumfällungen und Maßnahmen für einen zukunftsfähigen Baumbestand
Stadt Lindau informiert über geschädigte Bäume, geplante Ersatzpflanzungen und steigende Anforderungen an die Baumpflege
Sturm, Gewitter und Hitze haben in diesem Jahr vielen Bäumen in Lindau zugesetzt. Mehrere Bäume mussten aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden. Auch im Winter werden weitere Fällungen nötig sein. Das schmerzt, denn Bäume spenden Schatten, kühlen die Stadt, verbessern die Luft und bieten Vögeln und Insekten Lebensraum. Deshalb berät der Werkausschuss der Garten- und Tiefbaubetriebe (GTL) am Mittwoch, 21. Oktober, über den Baumzustand und den Prüfauftrag für eine Baumschutzverordnung, die Bäume auf städtischem und privatem Grund schützen soll.
Notfällungen 2026: Was passiert ist
Starkwind und Gewitter haben 2026 erhebliche Baumschäden verursacht. Notfällungen waren unter anderem nötig bei einer Eiche in der Schachener Straße (Mai), einer Kastanie auf der Insel (Juni), einer Linde am Uferweg Maria Wart (Juli), einer Buche im Lindenhofpark und einer Eiche in der Robert-Bosch-Straße (beide September). Der extrem trockene Sommer hat auch bisher gesunde Bäume innerhalb eines Jahres stark geschwächt.
Umfang der geplanten Fällungen im Winterhalbjahr
Die Abteilung GT-Unterhalt legt in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde die Fällliste für das Winterhalbjahr vor. Sie umfasst 102 Einzelbäume, davon etwa 17 prägende Großbäume in Park- und Gartenanlagen sowie im Verkehrsbegleitgrün. Die meisten stehen im Alten Friedhof Aeschach (5), im Lindenhofpark (4) und auf der Insel (4), je einer am Toskanapark, an der Bregenzer Straße, am Oberrengersweilerweg und am Friedhof Aeschach. Hinzu kommen 41 Klein- und Jungbäume an Straßen, im Begleitgrün und in der freien Landschaft, zum Beispiel am Kindergarten Holdereggen, am Bahndamm und an der Schachener Straße/Giebelwiesen. Außerdem sind 21 Bereiche mit Bäumen in Gehölzgruppen oder an Gewässern betroffen, unter anderem Wäsenpark, Kieshafen Zech, Heuried und Leiblachdamm. Bilder der prägenden Bäume werden im Werkausschuss gezeigt.
Die Zahl kann sich noch erhöhen: Auffällige Bäume werden bis Anfang 2027 erneut kontrolliert. Gefällt werden nur Bäume, die sich nicht mehr erholen.
Warum die Fällungen nötig sind
Alle aufgeführten Fällungen sind aus Gründen der Verkehrssicherheit notwendig. Hauptursachen sind Trockenstress, Hitze und Sonnenbrand, Insekten- und Pilzbefall sowie das Eschentriebsterben. Hinzu kommen zu kleine Baumstandorte und Wurzelschäden durch frühere Leitungs- und Bauarbeiten.
Besonders betroffen sind in diesem Jahr jüngere Bäume zwischen 10 und 30 Jahren im Verkehrsbegleitgrün. Gerade diese Bäume sollen den künftigen Bestand tragen. Viele von ihnen sind stark geschwächt (Vitalitätsstufe 4 bis 5). Am häufigsten betroffen sind Eschen (Eschentriebsterben), Weiden (Weidenbohrer), Ahorne (Brandkrustenpilz, Trockenstress) und Eichen (Schwefelporling).
Fällungen erfolgen außerhalb der Vogelbrutzeit vom 1. Oktober 2026 bis 28. Februar 2027. Vor jeder Fällung werden artenschutzrechtliche Belange geprüft. In denkmalgeschützten Bereichen stimmt sich die Stadt mit der Denkmalschutzbehörde ab.
Klimawandel verändert die Arbeit der GTL
Hitze- und Dürrejahre wie 2018 bis 2020, 2022 und 2026 kommen immer häufiger vor. Die Bäume haben kaum Zeit, sich zu erholen, und die Schäden summieren sich. Geschwächte Bäume werden anfälliger für Pilze und Schädlinge, und es brechen häufiger Äste. Für die Stadt bedeutet das:
- Mehr Kontrollen und Fällungen: Die Stadt haftet für die Verkehrssicherheit. Kontrollen, Kronensicherungen und Notfällungen nach Stürmen nehmen deshalb zu.
- Aufwendigere Jungbaumpflege: Unter den heutigen Klimabedingungen benötigen Jungbäume mittlerweile fünf bis zehn Jahre regelmäßige Pflege statt bisher drei Jahre. Dazu gehören Bewässerung, Erziehungsschnitt, Kontrolle von Verankerung und Stammschutz, Pflege der Baumscheibe und Mulchen. Ohne diese Pflege fallen gerade die Bäume aus, die später den Bestand tragen sollen. Ausgefallene Jungbäume nachzupflanzen ist deutlich teurer, als sie zu pflegen.
- Mehr Bewässerung: In trockenen Sommern sind üblicherweise 10 bis 20 Wassergaben mit je 100 bis 200 Litern pro Baum nötig.
Wie in vielen anderen Städten reichen die heutigen Kapazitäten der GTL auf Dauer nicht aus. Die GTL erarbeitet deshalb ein Konzept mit Personal-, Fahrzeug- und Bewässerungsbedarf, das zu den Beratungen des Wirtschaftsplans 2028 vorgelegt wird.
Nachpflanzungen mit Klimabäumen
Für die gefällten Bäume nimmt die Stadt Nachpflanzungen vor. Dabei setzt die GTL auf klimaangepasste Arten nach der GALK-Straßenbaumliste, zum Beispiel Rot-Ahorn, Purpur-Erle, Hainbuche, Zürgelbaum, Blumen-Esche, Gleditschie, Amberbaum, Tupelobaum, Eisenholzbaum, Mehlbeere und Sumpfzypresse sowie geeignete Eichen-, Linden-, Platanen- und resistente Ulmensorten. Die genaue Zahl der Nachpflanzungen wird noch ausgearbeitet. Vorher werden die Leitungspläne geprüft und geeignete Flächen ausgewählt, damit hochwertige Baumquartiere entstehen. Bereits in Arbeit bzw. umgesetzt sind:
- die Baumreihe mit Eisenholzbäumen am Uferweg Spielbank (abgeschlossen),
- zusätzliche Klimabäume aus dem Wirtschaftsplan 2026, die teilweise noch in diesem Herbst gepflanzt werden,
- die Pflanzungen am Therese-von-Bayern-Platz sind grundsätzlich abgestimmt, Details werden mit der Projektleitung Inselhalle geklärt.
- Beim Ausbau des Geh- und Radwegs Bregenzer Straße sollen die Platanen und Altbäume erhalten werden. Dazu richtet die GTL eine ökologische Baubegleitung ein.
Sicherung gesunder Bäume im Stadtgebiet
Angesichts der zunehmenden Schädigung der Bäume durch den Klimawandel, will die Stadt künftig gesunde Bäume umso besser schützen – unabhängig davon, ob sie auf privatem oder öffentlichem Grund stehen. Eine Baumschutzverordnung könnte klare Regeln schaffen, etwa eine Genehmigungspflicht für das Fällen geschützter Bäume ab einem bestimmten Stammumfang, ein Verbot starker Rückschnitte und den Schutz des Wurzelbereichs bei Bauarbeiten. Dazu kommen Ersatzpflanzungen und Beratung für Bauherren und Bürgerinnen und Bürger.
Insbesondere bei Bauvorhaben kann die Stadt seit dem Wegfall der Freiflächengestaltungssatzung am 1. Oktober 2025 nur noch Empfehlungen aussprechen. Die Einführung einer Baumschutzverordnung wurde von der Politik bislang wiederholt abgelehnt. Angesichts der dramatischen Veränderungen durch den Klimawandel und der damit verbundenen zunehmenden Gefährdung des Baumbestands ist die GTL jedoch der Auffassung, dass ein verbindlicherer Schutz inzwischen erforderlich ist und die bisherige Haltung neu bewertet werden sollte.
Die GTL empfiehlt dem Werkausschuss daher die Einführung einer Baumschutzverordnung für die Stadt Lindau zu prüfen und einen Entwurf mit Aussagen zu Zuständigkeit, Personalbedarf und Kosten erarbeiten zu lassen.
Jeder kann helfen: Baumspenden willkommen
Auch Lindauerinnen und Lindauer können aktiv zum Erhalt und zur Entwicklung des städtischen Baumbestands beitragen. Das Interesse an Baumspenden aus der Bürgerschaft war bereits in der Vergangenheit groß. Die Stadt freut sich über dieses Engagement und nimmt Baumspenden auch weiterhin gerne entgegen. Informationen dazu gibt es auf der Webseite der Stadt Lindau unter www.stadtlindau.de/spenden.
