Ehrenamt stärkt Demokratie
Zum bundesweiten „Ehrentag“ am 23. Mai zeigt sich, wie wichtig freiwilliges Engagement für Gesellschaft und Zusammenhalt ist – und wie der ServicePunktEhrenamt Menschen dafür begeistert.
Zum Geburtstag des Grundgesetzes am Samstag, 23. Mai, wird erstmals bundesweit der sogenannte „Ehrentag“ gefeiert. Initiiert wurde dieser von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Botschaft dahinter: Demokratie lebt vom Mitmachen – und vom Engagement der Menschen vor Ort. Wie wichtig ehrenamtlicher Einsatz für eine funktionierende Gesellschaft ist, zeigt sich auch in Lindau. Dort vermittelt der ServicePunktEhrenamt seit 2023 Bürgerinnen und Bürger an gemeinnützige Einrichtungen, Vereine und Projekte.
Die Anlaufstelle richtet sich an Menschen, die sich engagieren möchten, bislang aber nicht wissen, wo sie gebraucht werden oder welche Möglichkeiten es gibt. Gleichzeitig unterstützt sie Einrichtungen, die dringend freiwillige Helferinnen und Helfer suchen. Gegründet wurde der ServicePunktEhrenamt von der Stiftung der Sozialstation Lindau. Er setzt sich für die Förderung sozialer Projekte im Bereich Ehrenamt und der gesetzlichen Freiwilligendienste ein. Vor Ort unterstützen Gabriele Zobel, Susanne Kainz-Unterkircher und Christina Potzmann die künftigen Ehrenamtlichen.
So funktionierts:
Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten ist groß: Gesucht werden zum Beispiel Unterstützerinnen und Unterstützer in Seniorenheimen, Trainer im Sportverein oder Helfer für Kinder- und Naturschutzgruppen. Derzeit sind laut ServicePunktEhrenamt 59 Einrichtungen mit insgesamt 67 Angeboten registriert. Bereits rund 230 Ehrenamtliche konnten in den vergangenen drei Jahren vermittelt werden.
Der Kontakt zu Zobel und Kainz-Unterkircher erfolgt über die öffentliche Online-Datenbank, per Telefon oder E-Mail. „Uns ist wichtig, die Menschen kennenzulernen“, sagt Kainz-Unterkircher. Gemeinsam werde besprochen, wie viel Zeit jemand investieren könne und welche Interessen oder Erfahrungen vorhanden seien. Ziel sei es, ein Ehrenamt zu finden, das wirklich zu der jeweiligen Person passe.
Mehrere Hundert Ehrenamtliche beim Lindauer Kinderfest
Dass das Ehrenamt in Lindau einen hohen Stellenwert hat, davon sind die Verantwortlichen vom ServicePunktEhrenamt überzeugt. Gerhard Fehrer, Vorsitzender der STIFTUNG DER SOZIALSTATION LINDAU, nennt als Beispiel das Lindauer Kinderfest, das jedes Jahr nur dank hunderter Freiwilliger möglich sei. Allein für den Stadtteil Zech seien 70 bis 80 Ehrenamtliche im Einsatz.
Gleichzeitig beobachtet die Vermittlungsstelle, dass vor allem ältere Menschen aktiv werden. „Der klassische Ehrenamtler ist der junge Rentner“, sagt Kainz-Unterkircher. Um auch Jugendliche stärker für freiwilliges Engagement zu begeistern, wurde deshalb im vergangenen Jahr das Projekt „Junges Ehrenamt – Beweg was!“ ins Leben gerufen.
An der Maria-Ward-Realschule und später an der Dreiländer-Realschule engagierten sich Schülerinnen und Schüler mehrere Monate lang in sozialen Einrichtungen und Vereinen. Dabei sammelten sie nicht nur praktische Erfahrungen, sondern erhielten auch Einblicke in mögliche Berufsfelder. Einige Jugendliche seien sogar nach Projektende weiter aktiv geblieben – etwa im Club Vaudeville.
Für die Aktion gab es auch von Seiten der Eltern viel Lob. „Ein Vater hat mir geschrieben und sich dafür bedankt, dass wir die Computergeneration ins echte Leben zurückholen“, sagt Christina Potzmann, Ansprechpartnerin von „Junges Ehrenamt – Beweg was!“.
Ehrenamtliches Engagement als Weg aus der Einsamkeit
Die Gründe, warum Menschen sich ehrenamtlich engagieren, seien vielfältig. Für manche bedeute das Engagement vor allem, nach einem Umzug Anschluss zu finden und neue Kontakte zu knüpfen. „Wir haben auch etliche ehemalige Lehrer, die der Gesellschaft aus Dankbarkeit etwas zurückgeben möchten“, sagt Zobel. Andere wollten ihre Erfahrungen einbringen und das gesellschaftliche Leben aktiv mitgestalten.
Gleichzeitig könne ehrenamtliches Engagement auch der Einsamkeit entgegenwirken, ergänzt Kainz-Unterkircher. So engagiere sich etwa ein Mann als Lesepate an einer Grundschule und freue sich darüber, regelmäßig von Kindern auf der Insel begrüßt zu werden. „Wenn die Menschen davon erzählen, blühen sie regelrecht auf“, sagt Kainz-Unterkircher.
Die Idee des bundesweiten Ehrentags begrüßt der ServicePunktEhrenamt deshalb ausdrücklich. Freiwilliges Engagement bringe Menschen zusammen, schaffe Gemeinschaft durch gemeinsame Projekte, fördere den Austausch über Generationen, Nationalitäten und Religionen hinweg, und stärke somit die Demokratie.
Welch große Rolle dabei das Ehrenamt spielt, hebt auch Lindaus Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons hervor: „Ehrenamt macht das Leben bei uns in der Stadt lebenswert. Ohne die vielen engagierten Mitbürgerinnen und Mitbürger wären zahlreiche soziale, kulturelle und sportliche Angebote in Lindau nicht möglich. Der Ehrentag macht sichtbar, wie wichtig dieses Engagement für unsere Demokratie und unser Miteinander ist. Herzlichen Dank an alle Ehrenamtlichen.“
