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14.10.2026

Mehr Sicherheit, weniger Durchgangsverkehr: Stadt stellt Weichen für Schachen

Dauerhafte Verkehrsdaten und ein Maßnahmenkonzept sollen künftige Belastungen begrenzen

Die Stadt Lindau nimmt die Verkehrssituation im Stadtteil Schachen umfassend in den Blick. In seiner jüngsten Sitzung am Dienstag, 6. Oktober, hat sich der Hauptausschuss mit den aktuellen und künftigen Verkehrsbelastungen im Stadtteil befasst und die Stadtverwaltung mit der Erarbeitung eines straßen- und verkehrsrechtlichen Prüf- und Maßnahmenkonzepts beauftragt. Im Mittelpunkt stehen eine bessere Datengrundlage, die Auswirkungen von Schwerlast- und Wohnmobilverkehr, weniger motorisierter Durchgangsverkehr sowie mehr Sicherheit für Fußgängerinnen, Fußgänger und Radfahrende.

Ausgangspunkt für die Gesamtbetrachtung sind mehrere Entwicklungen, die gleichzeitig auf Schachen wirken: die bereits beschlossene Instandsetzung der Enzisweilerstraße, die geplante Vergrößerung der Unterführung in der Wackerstraße sowie der geplante Wohnmobilstellplatz beziehungsweise die geplante Reitanlage in Wasserburg. Bürgerinnen und Bürger hatten dabei ihre Sorge geäußert, dass der Verkehr in Schachen – insbesondere auf der Schachener Straße, der Enzisweilerstraße und der Wackerstraße – weiter zunehmen könnte. Befürchtet werden unter anderem mehr Schwerlastverkehr und Wohnmobile, höhere Geschwindigkeiten und damit verbundene Gefahren sowie eine zunehmende Lärmbelastung.

„Wir nehmen die Sorgen der Menschen in Schachen sehr ernst. Unser Ziel ist klar: Die Straßen in Schachen sollen keine Ausweich- oder Durchgangsrouten für zusätzlichen touristischen, Schwerlast- oder Wohnmobilverkehr werden. Gleichzeitig müssen wir unsere Entscheidungen auf eine belastbare Grundlage stellen und rechtlich sauber handeln. Deshalb schaffen wir jetzt die Voraussetzungen, um die Verkehrsentwicklung dauerhaft zu beobachten und gezielt Maßnahmen ergreifen zu können“, betont Oberbürgermeisterin Dr. Claudia Alfons.

Verkehr wird künftig dauerhaft erfasst

Eine der wichtigsten Entscheidungen ist die geplante Installation eines dauerhaften Verkehrszählgeräts am Knotenpunkt Enzisweilerstraße/Schachener Straße. Eine KI-basierte Kameralösung soll künftig kontinuierlich die Verkehrsströme und Abbiegevorgänge erfassen. Dafür sind rund 20.000 Euro im Haushalt 2027 vorgesehen.

Die Stadt schafft damit eine belastbare Datengrundlage für künftige Entscheidungen. Dies ist insbesondere mit Blick auf die Sanierung der LI 16, die geplante Erweiterung der Unterführung in der Wackerstraße bis 2031 und die Verkehrsentwicklung im Zusammenhang mit dem geplanten Wohnmobilstellplatz und der Reitanlage in Wasserburg wichtig.

„Wir wollen nicht erst reagieren, wenn sich Verkehrsprobleme verfestigt haben. Mit der kontinuierlichen Erfassung können wir Entwicklungen frühzeitig erkennen und dort gegensteuern, wo es notwendig und rechtlich möglich ist“, sagt die Oberbürgermeisterin.

Verkehrsberuhigung wird konkret geprüft

Der Hauptausschuss hat die Verwaltung beauftragt, ein straßen- und verkehrsrechtliches Prüf- und Maßnahmenkonzept für Bad Schachen, insbesondere für die Schachener Straße, die Enzisweilerstraße sowie die Wackerstraße zu erarbeiten. Dabei sollen unter anderem Möglichkeiten zur Reduzierung des motorisierten Durchgangsverkehrs, Beschränkungen für Schwerlast- und Wohnmobilverkehr sowie bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung untersucht werden.

Hierbei ist zwischen zwei unterschiedlichen Ebenen zu unterscheiden: Das Straßenrecht legt fest, welchem Zweck eine Straße gewidmet ist. Das Verkehrsrecht regelt dagegen, wie die Straße konkret genutzt werden darf. Beides muss miteinander im Einklang stehen und darf sich nicht widersprechen. Die Schachener Straße, die Enzisweilerstraße und die Wackerstraße sind öffentliche Ortsstraßen und damit nicht als Ortsverbindungsstraßen gewidmet.

Eine sofortige Tonnage- oder Wohnmobilbeschränkung ist derzeit rechtlich nicht möglich. Voraussetzung für entsprechende Verkehrsbeschränkungen ist unter anderem der Nachweis einer konkreten Gefahrenlage. Die Stadt will und muss deshalb zunächst die tatsächliche Verkehrsentwicklung belastbar dokumentieren.

Auch eine mögliche Netzdurchtrennung an der Schachener Straße/Höhenstraße soll geprüft werden, um die Strecke für Schleich- und Schwerlastverkehr weniger attraktiv zu machen.

Bei einer Netzdurchtrennung handelt es sich um eine Maßnahme zur Verkehrsberuhigung, bei der das Straßennetz unterbrochen wird. Mittels Pflanztrögen, Pollern oder Pfosten, die auf der Straße platziert werden, könnte so die Durchfahrt für Kraftfahrzeuge wie Autos und Lkws unterbunden werden. Für den Fuß- und Radverkehr bliebe die Straße weiterhin passierbar. Dieser Ansatz war von den Bürgerinnen und Bürgern angeregt worden und stieß im Hauptausschuss auf große Zustimmung.

Sinnvoll ist eine solche Netzdurchtrennung insbesondere dort, wo Durchgangs- und Schleichverkehr reduziert und der Verkehr gezielt auf dafür geeignete Straßen gelenkt werden soll. Dadurch können Wohn- und Nebenstraßen entlastet, die Verkehrssicherheit für den Fuß- und Radverkehr erhöht und die Lebensqualität für Anwohnerinnen und Anwohner verbessert werden.

Enzisweilerstraße: Sanierung mit mehr Grün und weniger Geschwindigkeit

Bei der geplanten Instandsetzung der Enzisweilerstraße wird die bereits vom Stadtrat einstimmig beschlossene Variante B weiterverfolgt. Die Fahrbahn soll 5,50 Meter breit werden, hinzu kommen beidseitige Gehwege mit jeweils 1,50 Metern Breite.

Besonderes Augenmerk liegt auf dem Erhalt des Grüns: Voraussichtlich können 29 der 33 bestehenden Baumstandorte erhalten bleiben. Gleichzeitig soll die Grünfläche von derzeit 589 auf rund 622 Quadratmeter wachsen. Verschwenkungen im Straßenverlauf sollen die Geschwindigkeit reduzieren und die Straße für Schwerverkehr weniger attraktiv machen.

Radverkehr und Sicherheit an Engstellen im Fokus

Auch für den Rad- und Fußverkehr sind Verbesserungen vorgesehen. Unter anderem soll die Radverkehrsführung an der neuen Wackerstraße und im Bereich der Wackerstraße auf Höhe Hausnummer 46 deutlicher werden. Zudem wird geprüft, wie das Ende der Fahrradzone an der Schachener Straße/Ecke Enzisweilerstraße besser kenntlich gemacht werden kann.

An der Engstelle Schachener Straße/Ecke Schwesternberg soll die bestehende Verkehrsregelung gemeinsam mit Polizei und GTL überprüft werden. Dabei geht es insbesondere um Vorfahrt, Beschilderung und die Einbahnstraßenregelung. Auch die Möglichkeit eines Überholverbots wird abschließend bewertet.

Für mehr Aufmerksamkeit hinsichtlich der gefahrenen Geschwindigkeit sollen zusätzlich sogenannte „Smileys“ eingesetzt werden. Geschwindigkeitskontrollen von Stadt und Polizei Lindau finden bereits regelmäßig statt: In der Wackerstraße, der Schachener Straße und der Enzisweilerstraße gab es 2026 bislang 28 Messtermine.

Stadt behält weitere Entwicklungen im Blick

Auch die geplanten Bau- und Verkehrsprojekte sollen frühzeitig aufeinander abgestimmt werden. Dazu gehören die Sanierung der LI 16 durch das Staatliche Bauamt, die Instandsetzung der Enzisweilerstraße und die geplante Erweiterung der Wackerstraßenunterführung. Ziel ist es, mögliche zusätzliche Belastungen für Schachen bereits bei der Bauzeitenplanung zu berücksichtigen und so gering wie möglich zu halten.

Gleichzeitig wird geprüft, ob die Stadt rechtlich gegen den Bebauungsplan „Wohnmobil/Reitsport“ der Gemeinde Wasserburg vorgehen kann. Zudem will die Stadt darauf hinwirken, dass für die geplante Nutzung in Wasserburg eine wirksame Verkehrsleitplanung seitens Wasserburg entwickelt wird.

14.10.2026 

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